1Blick - Newsletter der Deutschen Botschaft Quito. Februar 2017

Das ganz andere San Francisco

 

„Dienet einander, ein jeglicher mit der Gabe, die er von Gott empfangen hat.“ 1.Petr 4,10

 

Ein Beitrag unserer Pfarrerin i.R. Stephanie Hinger

 

Als kleine evangelisch-lutherische Auslandsgemeinde in Quito und Guayaquil treffen wir uns regelmäßig zum Gottesdienst und suchen hier gemeinsam Orientierung für unser Leben, die diakonische Hilfe gehört ebenfalls zu unserem christlichen Auftrag, dem Dienst am Nächsten. So sehen wir das.

Erdbebenhilfe Ecuador!

Nach dem großen Erdbeben am 16. April 2016 an der Küste, dem noch weitere Erdbeben folgten, und wir in den nächsten Stunden und Tagen von dem großen Ausmaß  der Zerstörung erfuhren, war uns ganz klar: wir wollten und mussten als Kirche aktiv helfen, sofort und strukturell. Auch in Quito hatten wir das Beben deutlich gespürt und die Angst miterlebt. Wir waren froh, dass unsere Kirche unbeschädigt blieb. Unser Spendenaufruf in Deutschland in verschiedenen Gruppen und Kirchengemeinden, bei Freunden und Bekannten und über unsere Homepage erfuhr ein großes, positives, anteilnehmendes und sehr reges Echo. Nur ein Beispiel: Eine deutsch/ecuadorianische Familie, die 15 Jahre hier in Ecuador lebte und arbeitete engagierte sich mit einem Info-Stand an ihrem Ort, sodass von dort sehr viele Spenden von kirchlichen Gruppen, Firmen und Einzelpersonen kamen. Inzwischen bestehen auch persönliche Kontakte von dort nach San Francisco, sehr erfreulich! Doch der Reihe nach: 2 kleine Küstenorte wurden von uns ausgewählt, die wir unterstützen wollten: Zum Einen Chamanga und zum andern San Francisco. Auf unserer ersten Reise dorthin fanden wir Trümmer, Zeltstädte und Menschen in Not, manche, vor allem auch Kinder, stark traumatisiert. Mit unseren Spenden konnten zunächst drei Bambushäuser für drei große Familien in Chamanga gebaut und auch Soforthilfe geleistet werden. Wir konzentrierten uns dann jedoch mehr auf San Francisco. In diesem kleinen Ort in der Provinz Esmeraldas, dem Armenhaus Ecuadors, wurde die Primarschule völlig zerstört (zudem rückte das Meer sehr nahe an die Schule an der Küste heran), sodass 450 Kinder in das Schulzentrum der Höheren Schule integriert werden mussten. Dort konnte von den Spendengeldern bereits eine Toilettenanlage gebaut werden und im Moment ist der Rektor der Schule dabei, mit Handwerkern vor Ort und der Schulgemeinde für die Primarstufe eine Küche mit Speiseraum zu erstellen. Vielen Familien ist sehr damit geholfen, wenn ihre Kinder eine warme Mahlzeit erhalten. Alles ist im Werden, wenn auch denkbar einfach. Und jedes Mal, wenn wir dorthin fahren, ist unser Auto voll bepackt mit Kochern, Kochtöpfen, Pfannen, Besteck, Hygieneartikel, Spiele für die Kinder und vielem mehr, was benötigt wird. Nach der biblischen Weisung: „Einer trage des andern Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen“ (Gal 6,2) wollen wir unseren Teil dazu beitragen, dass unsere ecuadorianischen Freunde an der Küste wieder aufatmen und hoffen können. Es ist ein gutes Gesetz, denke ich, das, wenn wir ihm folgen, die Lasten gleichmäßig  verteilt. Auf diese Weise versuchen wir, den Menschen ihre Menschenwürde und Freiheit, ihr Leben zu gestalten, wieder zurückzugeben. Wenn unserer Hilfe dazu beiträgt, sind wir dankbar.

Viele der Betroffenen leben noch immer in Zelten auf engstem Raum. Auch dort haben wir Zeit miteinander geteilt, erlebt, wie sich das anfühlt. Für uns fast unvorstellbar, wenn jegliche Privatsphäre verloren geht. Doch auch in Deutschland und vielen anderen Ländern müssen Flüchtlinge in Sammelunterkünften leben.

Und wer kennt nicht das Gleichnis Jesu vom  „barmherzigen Samariter“, der im Gegensatz zu denen, die achtlos an der Not vorüber gingen, Sympathie mit dem am Weg Liegenden und schwer Verletzten empfand. Und er tat spontan, ohne lange zu überlegen das Not-Wendige: Er verband die Wunden des Angeschlagenen, nahm ihn mit zu einer Herberge, bezahlte für ihn und vertraute ihn dem Wirt an, der weiter für ihn sorgen sollte. Dieser Dienst wurde vom Samariter selbstlos bezahlt.

Im Martin-Luther-Jahr 2017 möchte ich Sie ermutigen, dem Beispiel des barmherzigen Samariters zu folgen und grüße Sie herzlich mit Worten von Martin Luther: Achte nur darauf, was Christus für dich und für alle getan hat, damit auch du lernst, was du für andere zu tun schuldig bist!


Martin Luther http://www.evangeliums.net/zitate/martin_luther_seite_2.html

 

Wenn Sie die Arbeit unserer deutschsprachigen evangelische-lutherischen Gemeinde zweckgebunden mit einer Spende unterstützen möchten, können Sie dies gerne auf folgendem Wege tun:

 

Konto in Deutschland:

Empfänger: EKD
IBAN: DE 05 5206 0410 0000 6600 00
BIC: GENODEF1EK1
Evangelische Bank

Verwendungszweck: Ev. Gemeinde Quito. Erdbebenhilfe Ecuador

Zur Ausstellung einer Spendenquittung benötigt die EKD Ihre postalische Adresse. Bitte vermerken Sie zudem, wenn Sie eine Spendenquittung wünschen.

 

Konto in Ecuador:

IELE, 90 PRODUBANCO, Cuenta Corriente, 02-052001977.

Bei Anfragen, oder wenn Sie eine Eingangs- oder Spendenbescheinigung benötigen, weil Sie auf das Konto in Ecuador gespendet haben, melden Sie sich bitte und teilen uns Ihren Namen und Ihre postalische Adresse per Mail ( pfarrerindontospamme@gowaway.evangelische-gemeinde-quito.de ) mit.

 

 

1Blick - Newsletter der Deutschen Botschaft Quito. Februar 2016

Be-Sinn-liches zum Nach-Denken

Ein Beitrag unserer Pfarrerin i.R. Stephanie Hinger

„Wohin sollen wir gehen?“ Viele Deutsche in Ecuador stellen sich diese Frage oft, wenn Ferien in Sicht sind oder an freien Wochenenden: Wohin sollen wir gehen? An den Strand, nach Cuenca oder ins Tal der 100-Jährigen nach Vilcabamba, zum Cotopaxi oder weiter weg nach Galapagos, nach Peru oder Miami? Manche Deutsche von uns sind schon seit 2 oder 3 Generationen in Ecuador, andere vielleicht erst seit kurzer Zeit. Junge Menschen kommen gerne nach Ecuador, um hier einige Zeit als VolontärIn zu arbeiten oder einfach, um neue Abenteuer an der Küste, im Dschungel oder in den Bergen zu erleben. Vielleicht haben sie sich vorher noch in Deutschland überlegt: Wohin sollen wir gehen? Und dann kam möglicherweise die Antwort: Weit weg, weit weg! Und möglichst irgendwohin wo ich auch viel unterwegs sein kann. In Franz Kafkas kleiner Parabel „ Der Aufbruch“ bricht auch eines Tages ein Herr auf. Es geht um Weg und Ziel.

Der Aufbruch

Ich befahl mein Pferd aus dem Stall zu holen. Der Diener verstand mich nicht. Ich ging selbst in den Stall, sattelte mein Pferd und bestieg es. In der Ferne hörte ich eine Trompete blasen, ich fragte ihn, was das bedeutete. Er wusste nichts und hatte nichts gehört. Beim Tore hielt er mich auf und fragte: »Wohin reitet der Herr?« »Ich weiß es nicht«, sagte ich, »nur weg von hier, nur weg von hier. Immerfort weg von hier, nur so kann ich mein Ziel erreichen.« »Du kennst also dein Ziel«, fragte er. »Ja«, antwortete ich, »ich sagte es doch: ›Weg-von-hier‹ – das ist mein Ziel.« »Du hast keinen Eßvorrat mit«, sagte er. »Ich brauche keinen«, sagte ich, »die Reise ist so lang, daß ich verhungern muß, wenn ich auf dem Weg nichts bekomme. Kein Eßvorrat kann mich retten. Es ist ja zum Glück eine wahrhaft ungeheure Reise.« (www.textlog.de/32080.html)

Wohin also sollen wir gehen? Diese Frage betrifft nicht nur unsere Freizeit und unsere Aktivitäten. „Wollt ihr auch weggehen?“ Einmal stellt Jesus diese Frage an seine Freunde. Was ist passiert? Scheinbar etwas, was heute in der westlich digitalen und mobilen Welt ganz normal ist: Viele Menschen haben kein Interesse mehr an Kirche, Gottesdienst und Glaube. Sie gehen weg. Bei unzähligen attraktiven Angeboten, die Zeit zu füllen, scheint ein Gottesdienst schon längst an Attraktivität verloren zu haben. Am Samstagabend, am Sonntagvormittag oder -nachmittag zur Kirche zu gehen, dort sich mit anderen zu treffen, miteinander singen, beten, hören, nachdenken über das Leben? Nein, da gehen wir lieber woandershin. Irgendwohin wo es interessanter ist. So war es auch damals vor 2000 Jahren, anfangs war die Sache mit Jesus noch neu und aufregend, für viele galt er als ein neuer Superstar, manche wollten ihn nach dem Brotwunder zum König hochstilisieren, aber bei Ihm bleiben, mit ihm seinen Kreuz-Weg gehen? Nein, das ist nicht das, was wir suchten. Deshalb gingen viele weg, zurück ins Gewohnte, zu ihren Familien, an ihre Arbeit. Ein Gott, der inkognito, verborgen, mittellos und unscheinbar hier auf der Erde wirkt, ist nicht der, den die meisten Menschen suchen. Dann, einmal unterwegs bleiben nur noch ein paar Freunde übrig, fast kann man sie an zwei Händen zählen, wenige, und Jesus fragt sie, nachdem schon viele weggegangen sind: „Wollt ihr auch weggehen?“ Sie müssen sich das schon genau überlegen.

Eine Frage regt immer zum Nachdenken an. Will ich weggehen? Wohin will ich gehen? Will ich meinen eigenen Bedürfnissen und Wünschen folgen oder gehe ich weiter mit auf einem Weg, der alles von mir fordert, mir aber auch Sinn und Ziel zeigt? Will ich für mich leben oder weite ich meinen Horizont und gebe Gott und der Ewigkeit Raum in mir, Seiner Menschen-Liebe,

Seinen Gedanken und Plänen, Seiner Geduld und mit-teilenden Weitherzigkeit? Und Simon Petrus, als Sprecher der Gruppe, gibt auf die Frage: Wollt ihr auch weggehen? eine klare Antwort, die seine Erfahrungen mit Jesus und Erkenntnisse widerspiegeln: „Herr, wohin sollen wir gehen? (Das ist ein Bibelwort aus Johannes 6,67-69, so aktuell ist die Bibel!) Du hast Worte des ewigen Lebens und wir haben geglaubt und erkannt, dass du Christus bist, der Sohn des lebendigen Gottes.“ Ein perfektes Credo! Nach kurzer oder langer Überlegung gibt es für Simon Petrus keine Alternative mehr, kein Zurück, kein Anhalten. Es geht weiter, er geht weiter mit auf dem ganz besonderen Weg der Nachfolge Jesu. Er wird es nicht vergessen, wie alles anfing, damals am See Genezareth, als Jesus ihn rief: Komm, folge mir nach! Und damals ging er mit, es war eine gute Entscheidung, er hat es niemals bereut!

Lassen wir uns ermutigen, bei aller Freude am Reisen, die ich in Ecuador sehr gerne teile, auch mal zu bleiben – zu bleiben bei den wesentlichen Fragen unseres Lebens, zu bleiben in der Gemeinschaft der Menschen, mit denen wir auf unserer Lebensreise unterwegs sind.

Dann könnte die Antwort auf die Frage „wo warst du am Wochenende“ auch mal lauten, „du wirst lachen, in der Kirche, muss ja auch mal etwas für mein Seelenheil tun“.

Sie sind herzlich eingeladen, einmal unsere wunderschöne kleine Kirche und den Gottesdienst zu besuchen in Quito in der Calle Isabel la Católica N26 - 31 y Orellana (Nähe Hotel Quito) oder in Guayaquil im gepflegten Ambiente des Centro Cultural Ecuatoriano Alemán.

Herzlich Willkommen! Ich freue mich auf Sie und grüße herzlich, Pfarrerin i.R. Stephanie Hinger