Prädikantenausbildung

Unsere Gemeindevizepräsidentin Dr. Heike Brieschke ist in Ausbildung zur Prädikantin. Hier ihr aktueller Bericht:

Bericht über das Prädikanten-Seminar in Hildesheim

Vom 2. bis 5. Februar 2017 hatten Matthias (Bolivien) und ich (Ecuador) Gelegenheit im ev. Kloster Hildesheim an einem Seminar teilzunehmen, das Teil einer 10-monatigen Ausbildung  zum Prädikanten ist. Eine Gruppe von 29 Teilnehmern von deutschen Auslandsgemeinden in 5 Kontinenten traf sich – sie kamen aus Europa (Spanien, Belgien, Holland, Luxemburg, Griechenland, Polen, Ungarn, Lettland, Russland), Südafrika, Asien (Iran, Singapur), Australien, Nordamerika (USA, Kanada) und Südamerika (Ecuador, Bolivien). In intensiven Gesprächen stellten wir ähnliche Erfahrungen und Bedürfnisse fest, zum Teil aber sehr unterschiedliche Voraussetzungen – einige Teilnehmer hatten bereits profunde theologische Kenntnisse durch ein Studium, andere bereits Erfahrungen in regionalen Prädikantenseminaren gewonnen. Wie können wir unsere kleinen Gemeinden stärken? Welche Möglichkeiten haben wir neben dem von uns zukünftig gestalteten Gottesdiensten? Wir wurden von 4-6 Ausbildern in unterschiedlichen Aktivitäten betreut und beschäftigten uns vor allem mit Fragen des Gottesdienstes und der Predigt; daneben konnten wir an praktischen Übungen zu Gebeten und Segen teilnehmen. Unser Tag im Kloster wurde durch drei Andachten in der Kapelle am frühen Morgen, am Mittag und am Abend gegliedert. Der krönende Abschluss war ein gemeinsam vorbereiteter Gottesdienst zu einem alttestamentlichen Text (2. Mose 3, 1-14); dabei zeigte sich deutlich, dass “weniger” in Wirklichkeit “mehr” ist: Mit minimalen Effekten – frei formulierten persönlichen Kommentaren von verschiedenen Personen im Zuhörer-Raum – erreichten wir eine knappe aber sehr anregende Auseinandersetzung mit dem Text und Auslegung. 

Einige wichtige Erkenntnisse für uns sind zum Beispiel: das homiletische Dreieck: biblischer Text – Prediger – Hörende; die Notwendigkeit, unsere Lebenserfahrungen in die Predigt einfliessen zu lassen; zahlreiche Varianten, die eine flexible Gestaltung des Gottesdienstes ermöglichen; wie eine Andacht oder ein “kleiner” Gottesdienst gestaltet werden kann. 

Der Tagungsort ist traumhaft wegen seiner Lage und Ausstattung. Dicht dabei liegt die berühmte Michaelis-Kirche, von der UNESCO zum Welt-Kulturerbe erklärt, ein wunderschöner  romanischer Bau. An einem Abend erhielten wir eine besondere Führung, gingen mit Kerzenbeleuchtung durch die Kirche und erlebten, wie sich Gesang im Raum ausbreitete. Die Schlafräume im Kloster sind einfach aber sehr bequem ausgestattet, die Verpflegung durch ein effizientes Personal erstklassig.

Fazit von drei Tagen Arbeit: Wir haben viele Anregungen bekommen und machen uns gestärkt auf den Weg, der nicht gerade einfach ist. Unsere Ausbildung erfolgt zu einem überwiegenden Teil durch Materialien einer Internet-Plattform (“e-learning”) mit Texten auf über tausend Seiten, wir sollen schon bald einen kompletten Gottesdienst vorbereiten und zur Prüfung einreichen, wobei uns freilich in der Regel ein lokaler Mentor zur Seite steht. Eine zweite Präsenz-Phase erfolgt im November im Stephansstift in Hannover, wo wir uns einem persönlichen Prüfungsgespräch stellen müssen. Anschliessend können die Kandidaten von der Ev. Kirche Deutschland zu Prädikanten für ihre Gemeinden für 5 Jahre ernannt werden. In diesem Sinn hoffen wir, uns in unseren jeweiligen deutschsprachigen Gemeinden in Bolivien und Ecuador einbringen zu können.

Matthias Strecker und Heike Brieschke