Bibelstudium/Bible Study/Estudio de la Biblia

Liebe Mitglieder der deutschen Gemeinde in Quito!
Seit Anfang Dezember bin ich als Pfarrer der EKD hierher nach Quito entsandt.
Seitdem habe ich verstärkt den Eindruck gewonnen, dass es wichtig ist, dass wir uns
der Gemeinschaft unserer drei Gemeinden - der deutschsprachigen, der Spanish
sprachigen und der Englisch sprachigen - immer wieder neu vergewissern.
Darum lade ich ein, ab dem 7. Februar, jeden Mittwoch um 19 Uhr zusammen zu
kommen, um eine Stunde lang einen Text der Bibel zu lesen und darüber zu sprechen.
Ich werde diese Zusammenkunft auf Spanisch durchführen - also in der Sprache, die
unsere drei Gemeinden vereint. Wir treffen uns in der Bibliothek unterhalb der Kirche.
Ich würde mich freuen, wenn Sie/Ihr daran teilnehmen könntet.
Herzlich
Dr. Dr. Detlef Schwartz
Pfr. i. R.


Dear Friends of the English speaking Advent/St. Nicholas Congregation in Quito!
In December 2017 the Evangelical (Lutheran) Church in Germany sent me here to be
the pastor of the German speaking congregation of our church here in Quito. Since
then I have come to realize more and more how important it is that we - the English
speaking, the Spanish speaking, and the German speaking congregation -
continuously make sure that we exist as a community of three congregations but at the
same time forming one church.
With this in mind I would like to invite you - starting February 7 - to an hour of bible
study. We will meet every Wednesday at 7 p.m. in the library below the sanctuary.
Since the language we all have in common is Spanish, I will conduct these meetings in
Spanish.
It will be my honor to welcome you to this new endeavor.
With blessings
Rev. Detlef Schwartz, Ph.D., Ph.D.
Pastor

¡Estimados miembros de la Iglesia Luterana en Quito!
En diciembre del año pasado la Iglesia Evangélica Luterana en Alemania me envió para
el servicio pastoral de la congregación de los alemanes de nuestra Iglesia Luterana
aquí en Quito. Desde entonces me he dado cuenta lo importante que sería la mejora
del espíritu de la comunidad de nuestras congregaciones: la hispana, la angloparlante
y la alemana.
Por eso quisiese invitarles a ser parte de una hora del estudio de la Biblia. Como el
idioma común de los miembros de nuestras tres congregaciones es el español, nos
reuniríamos y hablaríamos en español.
Nos encontraremos los miércoles a las 19.00 horas en la biblioteca de nuestra iglesia,
debajo de la nave. Empezaríamos estas sesiones el 7 de febrero.
Tengo la ilusión de verles a ustedes por una hora para levantar el espíritu de nuestra
comunidad.
Cordialmente
Reverendo Dr. Dr. Detlef Schwartz, Pastor

Brief zur Jahreslosung 2018

Liebe Gemeindeglieder!

Seien Sie ganz, ganz herzlich gegrüßt zum Neuen Jahr! Ich wünsche Ihnen/Euch Gottes reichen Segen für alle Tage dieses Jahres 2018! Jede/r von uns hat ja auch seine/ihre ganz individuellen Wünsche. Mögen diese alle sich so gestalten, dass - auch dann, wenn wir Umwege gehen müssen, an Felsbrocken stoßen oder auch einfach überhaupt nicht vorankommen - wir trotzdem das Gefühl haben, in unserem Leben ein Stück weiter gekommen zu sein. Dass das Leben nicht einfach nur aus Glück und Zufriedenheit besteht, sondern auch Enttäuschungen und frustrierte Gefühle dazu gehören, wissen wir. Aber gerade am Anfang eines Jahres wünschen wir uns natürlich möglichst wenig negative Erfahrungen.

 

Die Jahreslosung des Jahres 2018 nimmt auf diese unterschiedlichen Gefühls- und Erfahrungslagen Bezug. Sie lautet: „Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.“ (Offenbarung 21,6)

 

Das Buch der Offenbarung wurde ja nicht einfach nur so dahingeschrieben. Sozusagen aus der Sicherheit angenehmer Lebensverhältnisse heraus. Vielmehr hat sich der Verfasser in einem der Lager befunden, die von der römischen Justiz eingerichtet wurden, um besonders renitente Christen und Christinnen aus dem öffentlichen  Leben zu verbannen. Das einzige, was man ihnen vorwerfen konnte, war, dass sie Gott in Jesus Christus anbeteten - und nicht den Kaiser in Rom. 

 

Insofern ist das Buch der Offenbarung ursprünglich auch keine Vorschau auf die Zukunft. Die kannte man vor 2000 Jahren genauso wenig wie heute, wenn wir z.B. wie jetzt ein neues Jahr beginnen. Wichtig war für den Verfasser der ‚Offenbarung’ wie für seine Empfänger dieses: Worauf gründe ich eigentlich mein Leben? Oder um es anders zu sagen: Was gibt mir eigentlich Grund zu gehen? Und zwar in zweierlei Hinsicht. Einmal im Sinne von Begründung und zum anderen im Sinne von Fundament. Das interessante ist, dass der Verfasser der Offenbarung beides in einem sieht. Jesus Christus, und zwar der auferstandene, ist für ihn Begründung des (neuen) Lebens als auch das Fundament, um z.B. die Verfolgungen durch das römische Reich auszuhalten.

 

Das drückt er aus in dem Bild des vom Durst geplagten Menschen. Damit meint er uns alle. Wir sind durstig nach den unterschiedlichsten Dingen: Liebe, Zuneigung, Anerkennung, Erfolg, Gesundheit, Sich-Wohlfühlen. Diese Liste ist natürlich unvollständig. Aber wie und wo stillen wir unseren Durst? Und da werden wir vor die Alternative gestellt. Entweder wir stürzen uns in den aus dem Alltag wohl bekannten Aktionismus, zu dem auch ständiger Konsum und die Illusion der ewigen Spaßgesellschaft gehören. Oder - und das schlägt das Buch der Offenbarung uns vor - wir vertrauen auf etwas ganz anderes: die Gegenwart des Auferstandenen, also auf Jesus, den Christus.

 

Damit wird das Leben nicht schlagartig anders - oder womöglich einfacher. Aber es passiert trotzdem etwas mit uns. Wir merken, dass die Konzentration auf die Quelle des Lebens - z.B. beim Meditieren, Beten, Singen, Musizieren, Lesen - uns eine Ruhe vermittelt, die wir vorher nicht gefunden haben. Das Wasser, um im Bild zu bleiben, das wir da trinken, sprudelt ohne Begrenzung und muss nicht mit Gütern oder Geld bezahlt werden. Wir bekommen es umsonst. Wir müssen wir uns nur darauf einlassen. Im Sinne der Bibel, die an anderer Stelle von dem Strom der Gerechtigkeit spricht. Und wer sehnte sich danach, dass endlich und überall Gerechtigkeit, gerechte Lebensverhältnisse für alle herrschten? Sich von dieser Quelle von lebendigem Wasser tragen und ernähren zu lassen, verändert uns, weil uns vieles von dem, was uns bisher so arg wichtig war und trotzdem einen kurzen Verfallswert hatte, in Relation zu dem, was wir nun erfahren können, unwichtig wird. Das wollte der Verfasser der Offenbarung für seine Leser auch erreichen. Dass sie Mut gewannen, sich nicht erschrecken ließen von der Übermacht des Staates - oder der Verhältnisse -, sondern mit Ruhe und Besinnung das eigene und das Leben um sie herum zu verändern.

 

Diesen Mut, diese Ruhe - und auch diese manchmal uns langsam vorkommende Besinnlichkeit -, die wünsche ich uns für das Neue Jahr. Und in diesem Sinne grüße ich Sie und Euch und wünsche uns gemeinsam, dass wir viele Erfahrungen sammeln, die uns zeigen, es lohnt sich, auf das Wasser aus der unversiegbaren Quelle der Gegenwart Jesu in unserem Leben zu vertrauen.

 

Ihr/Euer Pfarrer Dr. Dr. Detlef Schwartz.

Weihnachtsbrief 2017

Liebe Freunde, liebe Mitglieder und Interessierte (an) unserer deutschen evangelisch lutherischen Gemeinde in Quito!


Vor zwei Wochen bin ich, Detlef Schwartz, in Quito angekommen. Bis Ende Juni 2018
hat mich das Kirchenamt der Evangelischen Kirche in Deutschland beauftragt, für Sie,
für Euch, als Pfarrer in Quito und Guayaquil tätig zu sein. Der Religionsunterricht im
Colegio Alemán in Quito gehört auch dazu.


Ich hatte das Glück, vor vier Jahren in den Vorruhestand gehen zu können. Jetzt bin ich
63 Jahre alt und die letzten vier Jahre habe ich mich darauf konzentriert, Spanisch zu
lernen. Und zwar an verschiedenen Orten in Lateinamerika, in Spanien, sowie in Los
Angeles, wo ich seit meinem Vorruhestand gelebt habe. Von daher kam für mich als
sogenannte Beauftragung im Ruhestand auch nur ein Spanisch sprechendes Land in
Frage.


Am Mittwoch hatten wir unseren Seniorenkaffee und anschließend ein offenes
Adventssingen. Ich habe es als sehr wohltuend erlebt, fast zwanzig verschiedene
Advents- und Weihnachtslieder zu singen. Die Lieder von dem Warten auf den Messias
Jesus und seiner Ankunft drücken etwas von dem aus, worauf schon das Volk Israel
hoffte, als es in dunkler und schwieriger Zeit es so in Worte fasste: „Das Volk, das im
Finstern wandelt, sieht ein großes Licht, und über denen, die da wohnen im finstern
Lande, scheint es hell.“ (Jesaja 9, 1)


Manch einer von uns erfährt diese Dunkelheit im persönlichen, individuellen oder
gesellschaftlichen Leben und Zusammenleben. Ob es sich um Krankheit, Alter,
unsichere Beziehungen oder Lebensbezüge handelt, oder ob wir besorgt und
erschrocken sind über die Entwicklungen in den lateinamerikanischen Ländern, in
Europa oder woanders auf der Welt. Licht, Liebe und Barmherzigkeit sind häufig
Begriffe, die verloren zu gehen scheinen. Worauf können wir da noch vertrauen?


Seit alters her haben Menschen versucht, damit umzugehen. Ich entdecke in diesen
Bemühungen den Antrieb, sich auf das zu konzentrieren, was wesentlich ist. Ein
Gedanke, ein Lied, ein Gebet, ein Text, eine Begegnung, ein Spaziergang, ein Besuch
in vielleicht einem Museum oder einer Kunstausstellung, ein Lied oder eine Musik - es
gibt so viele Möglichkeiten, nicht gleich das Große zu beginnen, sondern sich an das
Kleine, aber dafür eher Verlässliche zu halten.


Ich wünsche uns in diesem Advent und in dieser Weihnachtszeit, solch etwas zu
entdecken. Ein Licht zu sehen oder zu erahnen - und damit der Schwachheit und
Verletzlichkeit des in Bethlehem geborenen Gottessohnes zu begegnen.


Lassen Sie mich bei dieser Gelegenheit noch bitte etwas anfügen. Wir haben vor,
unsere nächste Gemeindeversammlung am 28. Januar zu halten. Den Ort geben wir
noch bekannt. Nur eines möchte ich schon ansprechen, weil ja nie alle an der
Gemeindeversammlung teilnehmen können. Wir haben vor, zu fragen, ob wir nicht in
Zukunft einmal im Monat einen Gottesdienst in spanischer Sprache - unabhängig von
dem Gottesdienst der ecuadorianischen Gemeinde - haben sollten, so dass
Familienmitglieder, Freunde oder Bekannte, die vor allem oder nur Spanisch sprechen,
sich ebenfalls in unsere Gottesdienste einfinden können. Die deutsche Gemeinde in
Mexiko Stadt macht das schon seit einiger Zeit. Da - wie gesagt - nicht alle Mitglieder
an der Gemeindeversammlung teilnehmen werden können, wäre es hilfreich, wenn Sie/
Ihr uns vielleicht eine kurze Rückmeldung schicken könnten. Etwa in der Art: „gute
Idee“, „schlechte Idee“, nicht mehr.


An diesem Sonntag, den 3. Advent , werde ich i n Guayaqui l den
Weihnachtsgottesdienst halten und Heike Brieschke den Gottesdienst hier in Quito. Am
Heiligabend feiern wir unsere Christvesper um 17.30 Uhr und am Silvestertag kommen
wir um 10.15 Uhr zu einem Gottesdienst mit Abendmahl zusammen, um das
Ausklingen des Jahres 2017 zu bedenken.

Ich grüße Sie/Euch ganz, ganz herzlich, verbunden mit dem Wunsch einer gesegneten
Weihnachtszeit und einem guten Beginn des Neuen Jahres!


Dr. Dr. Detlef Schwartz
Pfr. i. R.

Prädikantenseminar 2017 in Guatemala - Dr. Heike Brieschke, Gemeindevizepraesidentin

Hier der aktuelle Bericht von unserer Gemeindevizepräsidentin, Dr. Heike Brieschke, des Prädikantenseminars in Guatemala-Stadt:

Mittlerweile fühlt es sich wie bei einer groβen Familienfeier an: unsere jährlich stattfindenden Prädikantenseminare in Lateinamerika, diesmal auf Einladung der deutschsprachigen evangelischen Gemeinde in Guatemala-Stadt. Durch den Streik von Avianca etwas gehandicapt (Quito – Bogotá – San José – Guatemala) komme ich als letzte Teilnehmerin an und treffe im Pfarrhaus von „Lokalmatador“ Pfarrer Markus Böttcher auf die restlichen Gäste, die es sich bei prasselndem Kaminfeuer und einem ausgiebigem Bruch gemütlich gemacht haben. Ein groβes „Hallo“ setzt ein und wir begrüβen uns herzlich. Insgesamt treffe ich auf 15 Kollegen/Kolleginnen aus 9 Ländern: Mexico, Guatemala, El Salvador, Costa Rica, Ecuador, Peru, Venezuela und Bolivien. Die beiden angemeldeten Kolumbianerinnen sind dem Avianca-Streik leider ganz zum Opfer gefallen und konnten nicht komme

Nach der Kür am Abend dann das Pflichtprogramm für die nächsten 4 Tage (10. – 15. Oktober 2017). Thema des diesjährigen Seminars ist: „Evangelisch Gottesdienst gestalten“, passend zum Reformations-Jubiläumsjahr. Wie schon die Jahre zuvor hat jeder von uns seine Predigt im Gepäck, die uns als Hausaufgabe ein paar Monate zuvor aufgegeben wurde. Wir hatten drei Bibelstellen zur Auswahl: 5. Mose 6, 4-9, Johannes 8, 31-36, Römer 3, 21-28. Wahrlich nicht einfache Texte. Ich hatte mich für den alttestamentarischen entschieden. Vormittags treffen wir uns im schönen, neuen Gemeindehaus und beginnen den Tag mit einer Andacht. Danach führen uns unsere Leiter, Marc Reusch (Pfarrer in Mexico-Stadt) und Markus Böttcher ins Programm ein. Wir agieren interaktiv, schreiben unsere Erwartungen auf, und erfahren dann noch von Marc, was es bedeutet, im Jahr 2017 evangelisch zu sein. Natürlich können wir auch wieder dazu beisteuern. Als sehr angenehm empfinden es alle, dass wir zu den Mahlzeiten (mittags und abends) nicht irgendwo hingehen müssen, sondern dass wir an einem langen Tisch im kleinen Garten der Gemeinde miteinander essen können. Es gibt guatemaltekische Spezialitäten, die allen gut schmecken. Am Nachmittag geht’s dann zu den Predigtbesprechungen. Marc und Markus haben uns so aufgeteilt, dass jeder von ihnen mit Teilnehmern arbeitet, mit denen er sonst nicht soviel zusammenkommt. Wir schaffen es tatsächlich, alle 15 Predigten an drei Nachmittagen gut durchzudiskutieren. Wie immer war die Kritik konstruktiv und hilft uns dabei, das Ausgearbeitete zu glätten, lebhafter zu gestalten, von unnötigem Ballast zu befreien um somit die Gemeinde fesseln zu können. Ganz besonders wichtig: eine Kernaussage herauszuarbeiten, die die Zuhörer „mit nach Hause nehmen können“. Den Abend beschlieβen wir mit einer Abendandacht.

Der nächste Morgen steht im Zeichen von „Evangelischer Liturgie“, federführend ist diesmal Markus. Wir setzen uns mit niedergeschriebenen Gottesdiensterfahrungen auseinander und geraten darüber in eine angeregte Diskussion. Auβerdem weist uns Markus in die Handhabung des „Evangelischen Gottesdienstbuches“ mit seinen verschiedenen Gottesdienstordnungen ein.

Nach zwei Tagen vollen Arbeitsprogramms steht uns der Freitagvormittag für einen Ausflug zur Verfügung. Gemeinsam besuchen wir eine Ausstellung zum Thema des gualtemaltekischen Selbstverständnisses. Danach gibt es noch Zeit zum Besuch eines groβen Marktes mit typischen wunderschön farbenfrohen Handarbeiten. Abgerundet wird der Vormittag durch ein Mittagessen in einem Gartenrestaurant.

Der Samstag steht dann ganz im Zeichen der Vorbereitung für den Sonntagsgottesdienst. Diesen dürfen diesmal alle Prädikanten gemeinsam gestalten. In Gruppenarbeit bearbeiten wir verschiedene Liturgieabschnitte und Cornelia Leiter aus Venezuela wird die Predigt halten. Am Nachmittag haben wir noch Zeit für die wichtige feed-back-Runde. Klar, dass die durchweg positiv ausfiel.

Am Sonntag war dann die Kirche voll und wir haben durchweg groβes Lob von den Gottesdienstbesuchern erfahren. Nach einem letzten gemeinsamen Mittagessen findet dann der traurige Teil des Seminars an: das Abschiednehmen!

Wir bedanken uns: für die tolle Gastfreundschaft bei all unseren „Schlummereltern“, bei Kathrin und Markus für das „offene Pfarrhaus“, bei Marc und Markus für die umsichtige und interessante Themengestaltung und –umsetzung, für die netten Abende mit evangelischem Quiz, evangelischem Singen, Luthersketchen aus Mexico und Guatemala, und, und, und ...

UND: wir freuen uns auf das nächste Seminar: in Costa Rica oder Ecuador!

Heike Brieschke (Ecuador)

 

Prädikantenausbildung

Unsere Gemeindevizepräsidentin Dr. Heike Brieschke ist in Ausbildung zur Prädikantin. Hier ihr Bericht:

Bericht über das Prädikanten-Seminar in Hildesheim

Vom 2. bis 5. Februar 2017 hatten Matthias (Bolivien) und ich (Ecuador) Gelegenheit im ev. Kloster Hildesheim an einem Seminar teilzunehmen, das Teil einer 10-monatigen Ausbildung  zum Prädikanten ist. Eine Gruppe von 29 Teilnehmern von deutschen Auslandsgemeinden in 5 Kontinenten traf sich – sie kamen aus Europa (Spanien, Belgien, Holland, Luxemburg, Griechenland, Polen, Ungarn, Lettland, Russland), Südafrika, Asien (Iran, Singapur), Australien, Nordamerika (USA, Kanada) und Südamerika (Ecuador, Bolivien). In intensiven Gesprächen stellten wir ähnliche Erfahrungen und Bedürfnisse fest, zum Teil aber sehr unterschiedliche Voraussetzungen – einige Teilnehmer hatten bereits profunde theologische Kenntnisse durch ein Studium, andere bereits Erfahrungen in regionalen Prädikantenseminaren gewonnen. Wie können wir unsere kleinen Gemeinden stärken? Welche Möglichkeiten haben wir neben dem von uns zukünftig gestalteten Gottesdiensten? Wir wurden von 4-6 Ausbildern in unterschiedlichen Aktivitäten betreut und beschäftigten uns vor allem mit Fragen des Gottesdienstes und der Predigt; daneben konnten wir an praktischen Übungen zu Gebeten und Segen teilnehmen. Unser Tag im Kloster wurde durch drei Andachten in der Kapelle am frühen Morgen, am Mittag und am Abend gegliedert. Der krönende Abschluss war ein gemeinsam vorbereiteter Gottesdienst zu einem alttestamentlichen Text (2. Mose 3, 1-14); dabei zeigte sich deutlich, dass “weniger” in Wirklichkeit “mehr” ist: Mit minimalen Effekten – frei formulierten persönlichen Kommentaren von verschiedenen Personen im Zuhörer-Raum – erreichten wir eine knappe aber sehr anregende Auseinandersetzung mit dem Text und Auslegung. 

Einige wichtige Erkenntnisse für uns sind zum Beispiel: das homiletische Dreieck: biblischer Text – Prediger – Hörende; die Notwendigkeit, unsere Lebenserfahrungen in die Predigt einfliessen zu lassen; zahlreiche Varianten, die eine flexible Gestaltung des Gottesdienstes ermöglichen; wie eine Andacht oder ein “kleiner” Gottesdienst gestaltet werden kann. 

Der Tagungsort ist traumhaft wegen seiner Lage und Ausstattung. Dicht dabei liegt die berühmte Michaelis-Kirche, von der UNESCO zum Welt-Kulturerbe erklärt, ein wunderschöner  romanischer Bau. An einem Abend erhielten wir eine besondere Führung, gingen mit Kerzenbeleuchtung durch die Kirche und erlebten, wie sich Gesang im Raum ausbreitete. Die Schlafräume im Kloster sind einfach aber sehr bequem ausgestattet, die Verpflegung durch ein effizientes Personal erstklassig.

Fazit von drei Tagen Arbeit: Wir haben viele Anregungen bekommen und machen uns gestärkt auf den Weg, der nicht gerade einfach ist. Unsere Ausbildung erfolgt zu einem überwiegenden Teil durch Materialien einer Internet-Plattform (“e-learning”) mit Texten auf über tausend Seiten, wir sollen schon bald einen kompletten Gottesdienst vorbereiten und zur Prüfung einreichen, wobei uns freilich in der Regel ein lokaler Mentor zur Seite steht. Eine zweite Präsenz-Phase erfolgt im November im Stephansstift in Hannover, wo wir uns einem persönlichen Prüfungsgespräch stellen müssen. Anschliessend können die Kandidaten von der Ev. Kirche Deutschland zu Prädikanten für ihre Gemeinden für 5 Jahre ernannt werden. In diesem Sinn hoffen wir, uns in unseren jeweiligen deutschsprachigen Gemeinden in Bolivien und Ecuador einbringen zu können.

Matthias Strecker und Heike Brieschke