Bericht EKD-Regionalkonferenz Lateinamerika 2018 - Mexiko-City Dr. Heike Brieschke, Praedikantin

Vom 11. bis 15. April dieses Jahres fanden wir uns in Mexiko-Stadt ein, um über das Thema „Gemeinde und Diakonie“ zu debatieren, uns zu informieren, auszutauschen und neue Impulse zu erfahren. Wir – das sind Pfarrer/innen und Gemeindevertreter/innen aus Mexiko, Guatemala, Costa Rica, Venezuela, Kolumbien, Ecuador, Peru, Brasilien und Chile. Von der EKD dabei waren Birgit Schmidt (Finanzen) und Marcus Garras, neuer Beauftragter für Lateinamerika und Nachfolger von Frederike Deeg. Am Anreisetag trafen wir uns alle abends im Hotel, was in nur 15 Gehminuten von der Heilig-Geist-Kirche der ev.-luth. Gemeinde Deutscher Sprache in Mexiko entfernt lag. Ich war als Gemeindevertreter für Ecuador dabei und freute mich, etliche bekannte Gesichter (von den Prädikantenseminaren) wiederzusehen, aber es waren auch viele neue dabei. In Costa Rica, Kolumbien und Peru gab es einen Wechsel bei den Pfarrern und die aus Brasilien und Chile hatte ich zuvor nicht kennengelernt. Es war eine bunte und sehr rege Schar, denn drei Paare hatten auch ihre Kinder dabei.

Am Donnerstag ging es dann richtig los. Verantwortlich für das umfangreiche Programm zeichneten die Pfarrer Marc Reusch (Mexiko), Markus Böttcher (Guatemala) und Daniel Meyer do Santos (Brasilien). Ort der Veranstaltung waren die Räumlichkeiten der Heilig-Geist-Kirche. Begonnen und abgeschlossen wurde jeder der drei Vollzeitarbeitstage mit einer Andacht, die die teilnehmenden Geistlichen je einmal gestalteten. Das waren an sich schon Höhepunkte. So durften wir einmal unsere Lasten und unsere Freuden „abladen“, ein anderes Mal lud eine wahre Kissenflut (abends!) zum Ausruhen ein und ganz erstaunt hörten wir von Pfarrer Hans-Jürgen Hoeppke aus Peru, dass durch einen Fehldruck der englischen Bibel Ende des 16. Jahrhunderts das christliche Sittenleben für eine zeitlang auβer Kraft gesetzt wurde („thou shall commit adultery“). Nachdem am Vormittag des ersten Tages die Begrüβungsrunde und allerlei Organisatorisches abgehandelt war, berichtete jede Gemeinde aus ihrem Gemeindeleben 2017-18. Dabei ging es weniger um die nackten Zahlen (z.B. wieviel eingetragene Mitglieder gibt es, wieviel Beiträge werden gezahlt, gab es Amtshandlungen, wieviel Gottesdienstbesucher kamen an ausgewählten Zählsonntagen, etc.), sondern eher darum, die Besonderheiten jeder Gemeinde vorzutragen und die Schwierigkeiten, mit denen jeder vor Ort zu kämpfen hat. So gibt es Gemeinden, die hauptsächlich aus alteingesessenen, schon vor langer Zeit eingewanderten Deutschen bestehen und andere, die fast nur aus expats bestehen, also Personen, die nur für eine befristete Zeit ins Land kommen. Die Nachmittagssitzung begann mit dem Bericht der EKD-Vertreter, zu dem wir viele Fragen hatten, insbesondere zum Problem, dass beauftragte Pfarrer (also die, die sich schon im Ruhestand befinden und nur einen 10-Monatsvertrag erhalten) in ihrem
ersten Jahr keine Einladung zu dieser Konferenz erhalten und dass die Gemeindevertreter, die nur alle 2 Jahre dabei sein können, die Kosten selber tragen müssen. Einmütig haben alle Teilnehmer der EKD erklärt, wie wichtig die Teilnahme an dieser Konferenz ist und die entsandten Pfarrer (diejenigen, die voll im Berufsleben stehen), haben uns dabei unterstützt. Birgit Schmidt und Marcus Garras verstehen unsere Anliegen, allerdings gibt es seitens der EKD eine Beschlusslage, an der man im Moment nichts ändern könne, aber es gab schon in der groβen Runde von ihrer Seite aus Anregungen, wie man zueinander finden könne. Im zweiten Teil des Nachmittags hatten wir Ludger Siemens von der Deutschen Botschaft zu Gast, der uns in einem eindringlichen Vortrag die besondere Situation Mexikos erklärte. Unsere anwesenden Deutsch-Mexikaner waren voll des Lobes und wir Auswärtigen konnten nun Mexiko besser verstehen lernen.

Der Freitag begann mit einem hochinteressanten Vortrag von Dan González Ortega zum Thema „Kirche und Diakonie“. Er hieβ: „Tres ámbitos del significado bíblico de Diaconía“. Ich habe etliche Seiten in meinem Notizbuch vollgeschrieben, aber es würde diesen Rahmen sprengen, all das wiederzugeben, was Dan uns von seinen Sprachforschungen mitgeteilt hat. In Zusammenfassung sind die drei Diakonie-Bereiche, wie sie in der Bibel im Wort Diakonie erfasst und vorgelebt werden, folgende: 1. Diaconía como actitud vital, 2. Diaconía como ministerio de animación und 3. Diaconía como atención a necesidades. Dieser Vortrag, der mich an meine theologische Studienzeit im Altgriechischen mit der Bibel erinnerte, war sicherlich ein Highlight der Konferenz. Es ergab sich auch eine sehr angeregte Diskussion im Anschluss, in der wir erkennen mussten, dass unser Diakonieverständnis von heute sich hauptsächlich am 3. Bereich orientiert und die ersten beiden meist vernachlässigt werden. Danach hatten wir dann noch weiter Gelegenheit, unter Anleitung von Markus Böttcher uns mit diesem Thema und wie es in unseren Gemeinden gehandhabt wird, zu diskutieren und auszutauschen.

In der anschlieβenden Kaffeepause hatte ich mein 6-Augen-Gespräch mit Birgit und Marcus von der EKD. Die beiden hatten fast nie Pausen, sondern diese Zeiten wurden für die Einzelgespräche EKD – Gemeindevertreter genutzt. Ich kann nur sagen, dass dieses Gespräch sehr hilfreich und nutzbringend war und ich die Ergebnisse in unserer nächsten Vorstandssitzung vortragen werde. Am Nachmittag bekamen wir dann ein praktisches Beispiel aus der Diakonie in Mexiko dargeboten. Leonina Romero und Schwester Maria Antonia berichteten von ihrem Projekt „Casa Mambré“, bei dem es um die Versorgung, Orientierung, rechtlichen Beistand und – wenn möglich – Arbeitsvermittlung von Flüchtlingen geht. Der Einstieg in dieses Thema brachte uns im wahrsten Sinne des Wortes ins Schwitzen. Wir wurden in drei Gruppen eingeteilt: Flüchtlinge, Polizisten und solche, die den Flüchtlingen helfen wollen. Ich gehörte zur letzten Gruppe. Leider führte unsere Strategie, mit den Polizisten zu reden, sie abzulenken, nicht zum Ziel. Alle Flüchtlinge wurden entdeckt und mit recht brachialer Gewalt aus ihren Verstecken geholt. Nur Cornelia schaffte es, unentdeckt zu bleiben. So haben wir am eigenen Leib erfahren, wie es sich anfühlt, einer dieser drei Gruppen anzugehören. Auβerdem haben wir in Zweiergruppen „praktische Diakonie“, wie von Jesus gefordert, vorgespielt. Mein Partner war Jochen aus Mexiko, der schon viel Schauspielerfahrung hat und mich voll an die Wand gespielt hat. Mit den beiden Frauen gab es noch einen regen Austausch bis weit in die Kaffeepause hinein. Bis zur Abendandacht vertieften wir das Thema weiter, diesmal unter Anleitung von Daniel Meyer. Und obwohl zum Abschluss ein Fragezeichen stehenblieb, sind wir irgendwie weitergekommen.

Am Samstagmorgen trafen wir uns nochmal im Plenum, bevor sich die Pfarrer unter sich trafen und parallel dazu die Gemeindevertreter. Uns ging es insbesondere darum, wie wir unsere Gemeinden voranbringen können, das Gemeindeleben in Gang halten bzw. wiederbeleben und dabei die drei Themenbereiche der Diakonie zum Einsatz bringen können. Ein besonderes Anliegen war auch, wie wir uns weiterhin alle zwei Jahre mit den Pfarrern und untereinander trotz der uns finanziell benachteiligenden Beschlusslage der EKD treffen können. Dazu setzte ein regelrechtes brainstorming ein, dessen Ergebnisse wir im Anschluss Birgit und Marcus vorstellten. Beide brachten dann noch weitere Ideen ins Spiel, so dass wir zum Schluss einen nahezu ausgearbeiteten 4-Jahresfortbildungsplan parat hatten. Nach dem Mittagessen waren dann die Pfarrer dran, die uns einluden, ruhig bei ihrer Besprechung mit der EKD dabeizusein. Und wieder haben sie zum Ausdruck gebracht, wie wichtig das Miteinander von Pfarrern und Gemeindevertretern sei. Ihr Sprecher, Johannes aus Chile, brachte dies eindrücklich vor, auch nochmal die besondere Lage der „nur beauftragten“ Pfarrer. Den Rest des Nachmittags nahm dann die Dienstbesprechung ein. Zusammenfassend kamen folgende Ergebnisse zustande:

  • Die Gemeindevertreter wünschen sich seitens der EKD die Finanzierung einer a) 2jährigen Fortbildung. Im Jahr 2019 die Entsendung eines Gemeindeberaters, der/die alle Gemeinden in Lateinamerika besucht, analysiert und ein Konzept erstellt, wie die demographische Entwicklung und die Zukunftsaussicht jeder Gemeinde aussieht. Im Jahr 2020 soll man sich dann zusammen mit den Pfarrern in einer gemeinsamen Konferenz treffen, um die einzelnen Ergebnisse vorzustellen und Zukunftsperspektiven anzugehen. b) in den nächsten 2 Jahren (2021-22) würde man dann an einem Regionalprojekt Lateinamerika, was Gemeindeentwicklung angeht, arbeiten. Soweit der Vorschlag, den wir noch ausarbeiten und der EKD zusenden werden.

  • Die Pfarrer wünschen sich ausdrücklich, dass Gemeindevertretern die Möglichkeit gegeben wird, an den Regionalkonferenzen weiterhin teilnehmen zu können. Sie wünschen sich auch mehr Fortbildung und insbesondere im Regionalbereich Lateinamerika.

  • Das nächste Prädikantenseminar findet in Costa Rica statt im Oktober 2018. Thema wird sein: Trauerfeiern und Taufen.

  • Kandidaten für die Ausrichtung der nächsten Regionalkonferenz (nur Pfarrer) sind Chile und Kolumbien. Angedachter Termin: Ende April, Anfang Mai 2019. Thema: Gottesdienstgestaltung in Wort und Predigtarbeit.

Nach der Dienstbesprechung kam endlich eine Gruppe zum Zug, die wir während der ganzen Konferenz gar nicht mehr bemerkt hatten: die Kinder unserer teilnehmenden Familien. Ihre zwei Betreuerinnen Eva-Catrin und Nadine hatten die 7 so in Atem gehalten, dass für sie keine Langeweile aufkam. Das Resultat bekamen wir dann in einer tollen Musikaufführung mit selbstgebauten Instrumenten vorgeführt.

Nach der abendlichen Andacht konnten wir uns dann bei einem gemütlichen und kulinarisch sehr leckerem Abschlussabend der wohlverdienten Entspannung widmen. Wobei die Themen der Konferenz nach wie vor im Vordergrund standen.

An dieser Stelle ein RIESIGES Dankeschön an das ganze mexikanische Team. Marc und Marcia Reusch, Doris Brunner, Renate Groth, Eva-Catrin Schwab, Nadine Cedrone, Marina Gonzalez und Küster Israel Godínez mit seiner Tochter, die uns einen rundum hervorragenden Rahmen für die Konferenz geschaffen haben.

Am Sonntag trafen wir uns dann zum Abschluss zum Gottesdienst in der Heilig-Geist-Kirche. Marcus Reusch hielt ihn, unterstützt vom Chor „Singkreis“ unter Leitung von Helena Brandl, vom neuen Duo Hartmut Schostiak (Klavier) und Juan Osorio (Panflöte, Flöte) sowie von Marcus Garras, der die Predigt hielt. Wenn ich jetzt in eine Polizeikrontrolle kommen sollte, werde ich mich immer an diese Predigt erinnern (aber nicht nur dann!).

Und dann – war es vorbei. Leider. Ich verabschiedete mich von alten und neuen Freunden und hoffe, dass der Diakoniegeist, der uns diese Tage erfüllte, noch lange anhalten möge.

Heike Brieschke, Ecuador




Liebe Mitglieder unserer Gemeinde,

liebe Freunde und Interessierte,

 

auch dieses Osterfest haben wir mit den Worten gefeiert, die Matthäus in seinem Evangelium so eindrücklich gesagt hat, dass sie seitdem Teil der Osternachtsliturgie geworden sind: “(Er ist nicht hier), er ist auferstanden.” Und als Gemeinde haben wir in unserem Gottesdienst am Ostermorgen um 5 Uhr geantwortet: “Ja, er ist wahrhaftig auferstanden.”

 

So eindrücklich auch dieser Gottesdienst war, in den zwei Sprachen, mit denen wir gefeiert haben: Deutsch und Spanisch, so sehr lässt er uns auch dieses Mal wieder staunend und verwundert zurück. Denn wer kann es schon wirklich begreifen, was da vor 2000 Jahren in Jerusalem am Ostermorgen passiert ist? Jedes der vier Evangelien spricht zu Recht von Verwunderung, ungläubigem Staunen, ja, Entsetzen, aber auch Freude. Zu unwirklich scheint alles zu sein. Erst der schmerzvolle Gang Jesu zum Kreuz, dann sein peinvoller Tod, die übereilten Bemühungen, ihn noch vor dem Anbruch des Sabbat in ein Grab zu legen, und dann dies: Jesus ist nicht mehr dort, wo ihn die Frauen, die zum Grab gehen, erwarten, sondern er begegnet ihnen auf ganz andere Weise. Zunächst erkennen sie ihn nicht. Und erst, als er sie anspricht, da fällt es ihnen wie Schuppen von den Augen: Er ist wahrhaftig auferstanden.

 

Aber so richtig können sie es auch da nicht glauben. Es ist eben klar: hier wird die Grenze zwischen dem, was wir uns erklären können und dem, was uns als Geheimnis gegenübertritt, nur allzu sehr deutlich. Nie wird es wohl möglich sein, diese Grenze zu überschreiten. Dazu sind wir - allzu und immer menschlich. Und die, die meinen, sie wären stärker, könnten diese Grenze zwischen dem menschlich Begrenzten und dem göttlich Unbegrenzten überschreiten, sie alle sind gescheitert und werden es weiterhin tun: die mit dem großen Mund und den lauten Ankündigungen in der Politik, diejenigen, die sich eine - perverse - Freude daraus machen, andere Menschen zu quälen oder zu unterdrücken, oder auch diejenigen, die sich selber immer für besser halten als andere und meinen, alles in sich und um sich kontrollieren zu können.

 

Wir alle müssen erkennen, dass Gott uns in dem auferstandenen Jesus zeigt, dass wir immer auf Zukunft hin leben. Das Staunen, der partielle oder ganze Unglaube am Ostermorgen, wir sollten sie als Aufruf verstehen, dass da mehr ist, als unsere Vorstellungskraft uns erlaubt. So wie die Jüngerinnen und Jünger Jesu erst, als er sie persönlich angesprochen hat, begriffen haben, was da wirklich geschehen ist, so geht es auch uns: wir müssen persönlich, direkt angesprochen werden, damit wir uns aus dem Staunen lösen können. Sich aus dem Staunen lösen, heißt mit neuer - ‘auferstandener’ - Hoffnung unser Leben zu gestalten, mutig Entscheidungen zu treffen, Vertrauen zu haben - in uns und andere. Und das ist dann vielleicht unser persönliches Ostern: Nicht mehr gelähmt zu sein durch alte, vergangene Schmerzen, nicht mehr gebannt zu sein durch eine unglückliche, einengende Vergangenheit.

 

Und so wünsche ich Euch und Ihnen diese Ostererfahrung im Vertrauen auf den, von dem es einzig heißt: Er ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden!

 

Euer/Ihr  Detlef Schwartz.

 

 

 

 

 

Brief zur Jahreslosung 2018

Liebe Gemeindeglieder!

Seien Sie ganz, ganz herzlich gegrüßt zum Neuen Jahr! Ich wünsche Ihnen/Euch Gottes reichen Segen für alle Tage dieses Jahres 2018! Jede/r von uns hat ja auch seine/ihre ganz individuellen Wünsche. Mögen diese alle sich so gestalten, dass - auch dann, wenn wir Umwege gehen müssen, an Felsbrocken stoßen oder auch einfach überhaupt nicht vorankommen - wir trotzdem das Gefühl haben, in unserem Leben ein Stück weiter gekommen zu sein. Dass das Leben nicht einfach nur aus Glück und Zufriedenheit besteht, sondern auch Enttäuschungen und frustrierte Gefühle dazu gehören, wissen wir. Aber gerade am Anfang eines Jahres wünschen wir uns natürlich möglichst wenig negative Erfahrungen.

 

Die Jahreslosung des Jahres 2018 nimmt auf diese unterschiedlichen Gefühls- und Erfahrungslagen Bezug. Sie lautet: „Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.“ (Offenbarung 21,6)

 

Das Buch der Offenbarung wurde ja nicht einfach nur so dahingeschrieben. Sozusagen aus der Sicherheit angenehmer Lebensverhältnisse heraus. Vielmehr hat sich der Verfasser in einem der Lager befunden, die von der römischen Justiz eingerichtet wurden, um besonders renitente Christen und Christinnen aus dem öffentlichen  Leben zu verbannen. Das einzige, was man ihnen vorwerfen konnte, war, dass sie Gott in Jesus Christus anbeteten - und nicht den Kaiser in Rom. 

 

Insofern ist das Buch der Offenbarung ursprünglich auch keine Vorschau auf die Zukunft. Die kannte man vor 2000 Jahren genauso wenig wie heute, wenn wir z.B. wie jetzt ein neues Jahr beginnen. Wichtig war für den Verfasser der ‚Offenbarung’ wie für seine Empfänger dieses: Worauf gründe ich eigentlich mein Leben? Oder um es anders zu sagen: Was gibt mir eigentlich Grund zu gehen? Und zwar in zweierlei Hinsicht. Einmal im Sinne von Begründung und zum anderen im Sinne von Fundament. Das interessante ist, dass der Verfasser der Offenbarung beides in einem sieht. Jesus Christus, und zwar der auferstandene, ist für ihn Begründung des (neuen) Lebens als auch das Fundament, um z.B. die Verfolgungen durch das römische Reich auszuhalten.

 

Das drückt er aus in dem Bild des vom Durst geplagten Menschen. Damit meint er uns alle. Wir sind durstig nach den unterschiedlichsten Dingen: Liebe, Zuneigung, Anerkennung, Erfolg, Gesundheit, Sich-Wohlfühlen. Diese Liste ist natürlich unvollständig. Aber wie und wo stillen wir unseren Durst? Und da werden wir vor die Alternative gestellt. Entweder wir stürzen uns in den aus dem Alltag wohl bekannten Aktionismus, zu dem auch ständiger Konsum und die Illusion der ewigen Spaßgesellschaft gehören. Oder - und das schlägt das Buch der Offenbarung uns vor - wir vertrauen auf etwas ganz anderes: die Gegenwart des Auferstandenen, also auf Jesus, den Christus.

 

Damit wird das Leben nicht schlagartig anders - oder womöglich einfacher. Aber es passiert trotzdem etwas mit uns. Wir merken, dass die Konzentration auf die Quelle des Lebens - z.B. beim Meditieren, Beten, Singen, Musizieren, Lesen - uns eine Ruhe vermittelt, die wir vorher nicht gefunden haben. Das Wasser, um im Bild zu bleiben, das wir da trinken, sprudelt ohne Begrenzung und muss nicht mit Gütern oder Geld bezahlt werden. Wir bekommen es umsonst. Wir müssen wir uns nur darauf einlassen. Im Sinne der Bibel, die an anderer Stelle von dem Strom der Gerechtigkeit spricht. Und wer sehnte sich danach, dass endlich und überall Gerechtigkeit, gerechte Lebensverhältnisse für alle herrschten? Sich von dieser Quelle von lebendigem Wasser tragen und ernähren zu lassen, verändert uns, weil uns vieles von dem, was uns bisher so arg wichtig war und trotzdem einen kurzen Verfallswert hatte, in Relation zu dem, was wir nun erfahren können, unwichtig wird. Das wollte der Verfasser der Offenbarung für seine Leser auch erreichen. Dass sie Mut gewannen, sich nicht erschrecken ließen von der Übermacht des Staates - oder der Verhältnisse -, sondern mit Ruhe und Besinnung das eigene und das Leben um sie herum zu verändern.

 

Diesen Mut, diese Ruhe - und auch diese manchmal uns langsam vorkommende Besinnlichkeit -, die wünsche ich uns für das Neue Jahr. Und in diesem Sinne grüße ich Sie und Euch und wünsche uns gemeinsam, dass wir viele Erfahrungen sammeln, die uns zeigen, es lohnt sich, auf das Wasser aus der unversiegbaren Quelle der Gegenwart Jesu in unserem Leben zu vertrauen.

 

Ihr/Euer Pfarrer Dr. Dr. Detlef Schwartz.

Weihnachtsbrief 2017

Liebe Freunde, liebe Mitglieder und Interessierte (an) unserer deutschen evangelisch lutherischen Gemeinde in Quito!


Vor zwei Wochen bin ich, Detlef Schwartz, in Quito angekommen. Bis Ende Juni 2018
hat mich das Kirchenamt der Evangelischen Kirche in Deutschland beauftragt, für Sie,
für Euch, als Pfarrer in Quito und Guayaquil tätig zu sein. Der Religionsunterricht im
Colegio Alemán in Quito gehört auch dazu.


Ich hatte das Glück, vor vier Jahren in den Vorruhestand gehen zu können. Jetzt bin ich
63 Jahre alt und die letzten vier Jahre habe ich mich darauf konzentriert, Spanisch zu
lernen. Und zwar an verschiedenen Orten in Lateinamerika, in Spanien, sowie in Los
Angeles, wo ich seit meinem Vorruhestand gelebt habe. Von daher kam für mich als
sogenannte Beauftragung im Ruhestand auch nur ein Spanisch sprechendes Land in
Frage.


Am Mittwoch hatten wir unseren Seniorenkaffee und anschließend ein offenes
Adventssingen. Ich habe es als sehr wohltuend erlebt, fast zwanzig verschiedene
Advents- und Weihnachtslieder zu singen. Die Lieder von dem Warten auf den Messias
Jesus und seiner Ankunft drücken etwas von dem aus, worauf schon das Volk Israel
hoffte, als es in dunkler und schwieriger Zeit es so in Worte fasste: „Das Volk, das im
Finstern wandelt, sieht ein großes Licht, und über denen, die da wohnen im finstern
Lande, scheint es hell.“ (Jesaja 9, 1)


Manch einer von uns erfährt diese Dunkelheit im persönlichen, individuellen oder
gesellschaftlichen Leben und Zusammenleben. Ob es sich um Krankheit, Alter,
unsichere Beziehungen oder Lebensbezüge handelt, oder ob wir besorgt und
erschrocken sind über die Entwicklungen in den lateinamerikanischen Ländern, in
Europa oder woanders auf der Welt. Licht, Liebe und Barmherzigkeit sind häufig
Begriffe, die verloren zu gehen scheinen. Worauf können wir da noch vertrauen?


Seit alters her haben Menschen versucht, damit umzugehen. Ich entdecke in diesen
Bemühungen den Antrieb, sich auf das zu konzentrieren, was wesentlich ist. Ein
Gedanke, ein Lied, ein Gebet, ein Text, eine Begegnung, ein Spaziergang, ein Besuch
in vielleicht einem Museum oder einer Kunstausstellung, ein Lied oder eine Musik - es
gibt so viele Möglichkeiten, nicht gleich das Große zu beginnen, sondern sich an das
Kleine, aber dafür eher Verlässliche zu halten.


Ich wünsche uns in diesem Advent und in dieser Weihnachtszeit, solch etwas zu
entdecken. Ein Licht zu sehen oder zu erahnen - und damit der Schwachheit und
Verletzlichkeit des in Bethlehem geborenen Gottessohnes zu begegnen.


Lassen Sie mich bei dieser Gelegenheit noch bitte etwas anfügen. Wir haben vor,
unsere nächste Gemeindeversammlung am 28. Januar zu halten. Den Ort geben wir
noch bekannt. Nur eines möchte ich schon ansprechen, weil ja nie alle an der
Gemeindeversammlung teilnehmen können. Wir haben vor, zu fragen, ob wir nicht in
Zukunft einmal im Monat einen Gottesdienst in spanischer Sprache - unabhängig von
dem Gottesdienst der ecuadorianischen Gemeinde - haben sollten, so dass
Familienmitglieder, Freunde oder Bekannte, die vor allem oder nur Spanisch sprechen,
sich ebenfalls in unsere Gottesdienste einfinden können. Die deutsche Gemeinde in
Mexiko Stadt macht das schon seit einiger Zeit. Da - wie gesagt - nicht alle Mitglieder
an der Gemeindeversammlung teilnehmen werden können, wäre es hilfreich, wenn Sie/
Ihr uns vielleicht eine kurze Rückmeldung schicken könnten. Etwa in der Art: „gute
Idee“, „schlechte Idee“, nicht mehr.


An diesem Sonntag, den 3. Advent , werde ich i n Guayaqui l den
Weihnachtsgottesdienst halten und Heike Brieschke den Gottesdienst hier in Quito. Am
Heiligabend feiern wir unsere Christvesper um 17.30 Uhr und am Silvestertag kommen
wir um 10.15 Uhr zu einem Gottesdienst mit Abendmahl zusammen, um das
Ausklingen des Jahres 2017 zu bedenken.

Ich grüße Sie/Euch ganz, ganz herzlich, verbunden mit dem Wunsch einer gesegneten
Weihnachtszeit und einem guten Beginn des Neuen Jahres!


Dr. Dr. Detlef Schwartz
Pfr. i. R.

Prädikantenseminar 2017 in Guatemala - Dr. Heike Brieschke, Gemeindevizepraesidentin

Hier der aktuelle Bericht von unserer Gemeindevizepräsidentin, Dr. Heike Brieschke, des Prädikantenseminars in Guatemala-Stadt:

Mittlerweile fühlt es sich wie bei einer groβen Familienfeier an: unsere jährlich stattfindenden Prädikantenseminare in Lateinamerika, diesmal auf Einladung der deutschsprachigen evangelischen Gemeinde in Guatemala-Stadt. Durch den Streik von Avianca etwas gehandicapt (Quito – Bogotá – San José – Guatemala) komme ich als letzte Teilnehmerin an und treffe im Pfarrhaus von „Lokalmatador“ Pfarrer Markus Böttcher auf die restlichen Gäste, die es sich bei prasselndem Kaminfeuer und einem ausgiebigem Bruch gemütlich gemacht haben. Ein groβes „Hallo“ setzt ein und wir begrüβen uns herzlich. Insgesamt treffe ich auf 15 Kollegen/Kolleginnen aus 9 Ländern: Mexico, Guatemala, El Salvador, Costa Rica, Ecuador, Peru, Venezuela und Bolivien. Die beiden angemeldeten Kolumbianerinnen sind dem Avianca-Streik leider ganz zum Opfer gefallen und konnten nicht komme

Nach der Kür am Abend dann das Pflichtprogramm für die nächsten 4 Tage (10. – 15. Oktober 2017). Thema des diesjährigen Seminars ist: „Evangelisch Gottesdienst gestalten“, passend zum Reformations-Jubiläumsjahr. Wie schon die Jahre zuvor hat jeder von uns seine Predigt im Gepäck, die uns als Hausaufgabe ein paar Monate zuvor aufgegeben wurde. Wir hatten drei Bibelstellen zur Auswahl: 5. Mose 6, 4-9, Johannes 8, 31-36, Römer 3, 21-28. Wahrlich nicht einfache Texte. Ich hatte mich für den alttestamentarischen entschieden. Vormittags treffen wir uns im schönen, neuen Gemeindehaus und beginnen den Tag mit einer Andacht. Danach führen uns unsere Leiter, Marc Reusch (Pfarrer in Mexico-Stadt) und Markus Böttcher ins Programm ein. Wir agieren interaktiv, schreiben unsere Erwartungen auf, und erfahren dann noch von Marc, was es bedeutet, im Jahr 2017 evangelisch zu sein. Natürlich können wir auch wieder dazu beisteuern. Als sehr angenehm empfinden es alle, dass wir zu den Mahlzeiten (mittags und abends) nicht irgendwo hingehen müssen, sondern dass wir an einem langen Tisch im kleinen Garten der Gemeinde miteinander essen können. Es gibt guatemaltekische Spezialitäten, die allen gut schmecken. Am Nachmittag geht’s dann zu den Predigtbesprechungen. Marc und Markus haben uns so aufgeteilt, dass jeder von ihnen mit Teilnehmern arbeitet, mit denen er sonst nicht soviel zusammenkommt. Wir schaffen es tatsächlich, alle 15 Predigten an drei Nachmittagen gut durchzudiskutieren. Wie immer war die Kritik konstruktiv und hilft uns dabei, das Ausgearbeitete zu glätten, lebhafter zu gestalten, von unnötigem Ballast zu befreien um somit die Gemeinde fesseln zu können. Ganz besonders wichtig: eine Kernaussage herauszuarbeiten, die die Zuhörer „mit nach Hause nehmen können“. Den Abend beschlieβen wir mit einer Abendandacht.

Der nächste Morgen steht im Zeichen von „Evangelischer Liturgie“, federführend ist diesmal Markus. Wir setzen uns mit niedergeschriebenen Gottesdiensterfahrungen auseinander und geraten darüber in eine angeregte Diskussion. Auβerdem weist uns Markus in die Handhabung des „Evangelischen Gottesdienstbuches“ mit seinen verschiedenen Gottesdienstordnungen ein.

Nach zwei Tagen vollen Arbeitsprogramms steht uns der Freitagvormittag für einen Ausflug zur Verfügung. Gemeinsam besuchen wir eine Ausstellung zum Thema des gualtemaltekischen Selbstverständnisses. Danach gibt es noch Zeit zum Besuch eines groβen Marktes mit typischen wunderschön farbenfrohen Handarbeiten. Abgerundet wird der Vormittag durch ein Mittagessen in einem Gartenrestaurant.

Der Samstag steht dann ganz im Zeichen der Vorbereitung für den Sonntagsgottesdienst. Diesen dürfen diesmal alle Prädikanten gemeinsam gestalten. In Gruppenarbeit bearbeiten wir verschiedene Liturgieabschnitte und Cornelia Leiter aus Venezuela wird die Predigt halten. Am Nachmittag haben wir noch Zeit für die wichtige feed-back-Runde. Klar, dass die durchweg positiv ausfiel.

Am Sonntag war dann die Kirche voll und wir haben durchweg groβes Lob von den Gottesdienstbesuchern erfahren. Nach einem letzten gemeinsamen Mittagessen findet dann der traurige Teil des Seminars an: das Abschiednehmen!

Wir bedanken uns: für die tolle Gastfreundschaft bei all unseren „Schlummereltern“, bei Kathrin und Markus für das „offene Pfarrhaus“, bei Marc und Markus für die umsichtige und interessante Themengestaltung und –umsetzung, für die netten Abende mit evangelischem Quiz, evangelischem Singen, Luthersketchen aus Mexico und Guatemala, und, und, und ...

UND: wir freuen uns auf das nächste Seminar: in Costa Rica oder Ecuador!

Heike Brieschke (Ecuador)

 

Prädikantenausbildung

Unsere Gemeindevizepräsidentin Dr. Heike Brieschke ist in Ausbildung zur Prädikantin. Hier ihr Bericht:

Bericht über das Prädikanten-Seminar in Hildesheim

Vom 2. bis 5. Februar 2017 hatten Matthias (Bolivien) und ich (Ecuador) Gelegenheit im ev. Kloster Hildesheim an einem Seminar teilzunehmen, das Teil einer 10-monatigen Ausbildung  zum Prädikanten ist. Eine Gruppe von 29 Teilnehmern von deutschen Auslandsgemeinden in 5 Kontinenten traf sich – sie kamen aus Europa (Spanien, Belgien, Holland, Luxemburg, Griechenland, Polen, Ungarn, Lettland, Russland), Südafrika, Asien (Iran, Singapur), Australien, Nordamerika (USA, Kanada) und Südamerika (Ecuador, Bolivien). In intensiven Gesprächen stellten wir ähnliche Erfahrungen und Bedürfnisse fest, zum Teil aber sehr unterschiedliche Voraussetzungen – einige Teilnehmer hatten bereits profunde theologische Kenntnisse durch ein Studium, andere bereits Erfahrungen in regionalen Prädikantenseminaren gewonnen. Wie können wir unsere kleinen Gemeinden stärken? Welche Möglichkeiten haben wir neben dem von uns zukünftig gestalteten Gottesdiensten? Wir wurden von 4-6 Ausbildern in unterschiedlichen Aktivitäten betreut und beschäftigten uns vor allem mit Fragen des Gottesdienstes und der Predigt; daneben konnten wir an praktischen Übungen zu Gebeten und Segen teilnehmen. Unser Tag im Kloster wurde durch drei Andachten in der Kapelle am frühen Morgen, am Mittag und am Abend gegliedert. Der krönende Abschluss war ein gemeinsam vorbereiteter Gottesdienst zu einem alttestamentlichen Text (2. Mose 3, 1-14); dabei zeigte sich deutlich, dass “weniger” in Wirklichkeit “mehr” ist: Mit minimalen Effekten – frei formulierten persönlichen Kommentaren von verschiedenen Personen im Zuhörer-Raum – erreichten wir eine knappe aber sehr anregende Auseinandersetzung mit dem Text und Auslegung. 

Einige wichtige Erkenntnisse für uns sind zum Beispiel: das homiletische Dreieck: biblischer Text – Prediger – Hörende; die Notwendigkeit, unsere Lebenserfahrungen in die Predigt einfliessen zu lassen; zahlreiche Varianten, die eine flexible Gestaltung des Gottesdienstes ermöglichen; wie eine Andacht oder ein “kleiner” Gottesdienst gestaltet werden kann. 

Der Tagungsort ist traumhaft wegen seiner Lage und Ausstattung. Dicht dabei liegt die berühmte Michaelis-Kirche, von der UNESCO zum Welt-Kulturerbe erklärt, ein wunderschöner  romanischer Bau. An einem Abend erhielten wir eine besondere Führung, gingen mit Kerzenbeleuchtung durch die Kirche und erlebten, wie sich Gesang im Raum ausbreitete. Die Schlafräume im Kloster sind einfach aber sehr bequem ausgestattet, die Verpflegung durch ein effizientes Personal erstklassig.

Fazit von drei Tagen Arbeit: Wir haben viele Anregungen bekommen und machen uns gestärkt auf den Weg, der nicht gerade einfach ist. Unsere Ausbildung erfolgt zu einem überwiegenden Teil durch Materialien einer Internet-Plattform (“e-learning”) mit Texten auf über tausend Seiten, wir sollen schon bald einen kompletten Gottesdienst vorbereiten und zur Prüfung einreichen, wobei uns freilich in der Regel ein lokaler Mentor zur Seite steht. Eine zweite Präsenz-Phase erfolgt im November im Stephansstift in Hannover, wo wir uns einem persönlichen Prüfungsgespräch stellen müssen. Anschliessend können die Kandidaten von der Ev. Kirche Deutschland zu Prädikanten für ihre Gemeinden für 5 Jahre ernannt werden. In diesem Sinn hoffen wir, uns in unseren jeweiligen deutschsprachigen Gemeinden in Bolivien und Ecuador einbringen zu können.

Matthias Strecker und Heike Brieschke